Wer war Hildegard von Bingen „Vita“

Biographie Hildegard von Bingen

 

Hildegard wurde 1098 als 10. Kind der Adelsfamilie Hildebert und Mechthild von Bermersheim geboren. Sie war ein sehr kränkliches Kind und war regelmäßig geplagt von Visionen, die sie noch nicht einordnen konnte. Hildegard lebte damit von Anfang an gefährlich, da Frauen zu dieser Zeit schnell der Hexerei oder Teufelsanbetung bezichtigt wurden.

 Mit 6 Jahren übergeben ihre Eltern sie deshalb, an Uda von Göllheim, die für die Erziehung, Ausbildung und geistige Erziehung zuständig wurde. Sie war eine sehr begabte Schülerin und somit entschied sie sich mit 15 Jahren für das Ordensleben und legte ihr Gelübde ab. Nachdem ihre Freundin und Ordensschwester Jutta von Sponheim verstirbt wird sie mit 38 Jahren einstimmig von ihren Ordensschwestern als neue Magistra gewählt.

Hildegard war mittlerweile bewusst, dass ihre Visionen himmlischen Ursprungs sind. Sie stieß allerdings immer wieder auf heftigen Widerstand, da sie ihre Visionen immer wieder, gerade als Frau, unter Beweis stellen musste, dass sie nicht hexerischen oder teuflischen Ursprungs sind.

Mit 42 Jahren gelingt ihr dann der große Durchbruch. Durch Hildegards selbstbewusstes Auftreten und mit Hilfe von Bernhard von Clairvaux erkennt Papst Eugen III  ihre Visionen als himmlisch an. Sie beginnt mit der Aufschreibung der ersten Bücher. Unterstützt wird sie davon von dem Mönch Volmar und später von Richardis von Stade.

Papst Eugen III forderte die Seherin auf, ihre Visionen aller Welt kundzutun. Er bestätigt “ die Wahrheit “ von Hildegards Schrift „Wisse die Wege“.

Jetzt war die Denkerin vom Disibodenberg im ganzen Abendland bekannt und das ganze Volk verehrte Hildegard von Bingen. Selbst die einflussreichen Vertreter der Kirche und Staat korrespondierten mit ihr: Fürsten, Könige, Kaiser und Päpste. In der Welt pries man Hildegard als die deutsche erste Prophetin und erste Ärztin an.

1147 – 1148 hatte Hildegard die Vision, aus der kleinen Frauenklause in ein Frauenkloster umzuziehen. Sie wollte den Disibodenberg verlassen und ihr eigenes Frauenkloster in dem 30 km entfernt gelegenen Rupertsberg beziehen.

 

Auch hier traf die mutige Hildegard erneut auf heftigen Widerstand, denn ein Kloster allein in Frauenhand war völlig skandalös. Trotzdem zog Hildegard mit ihren Schwestern los zum Rupertsberg und gründete in einer äußert schweren und angespannten Zeit das Rupertskloster. Zu Hildegards Zeit eine beachtliche und zugleich lebensgefährliche Leistung. Einige ihrer Schwestern verließen deshalb auch ihr Vorhaben.

Sie schaffte erneut das Unmögliche: der Rupertsberg gedeiht zum Sprechzimmer Europas. Sie berät Kaiser Barbarossa und erhält von ihm einen Schutzbrief für ihr Kloster. Die Zahl der Ordensschwestern nahm wieder zu, so dass sie 1165 ein Tochterkloster in Eibingen gründet.

Das viele Kämpfen ging auch nicht spurlos an Hildegard vorbei. Sie war seelisch erschöpft. Sie blieb bis zuletzt Kämpferin für den Glauben Gottes und seiner schöpferischen Liebe.

In ihrem letzten Lebensjahr 1178 überschattet sie nochmals die Amtskirche mit einem Konflikt. Sie hatte einen Exkommunizierten kurz vor seinem Tod in die Kirche aufgenommen und auf dem Klosterfriedhof beerdigen lassen. Die Mainzer Kirchenbehörde forderte die Exhumierung.

Hildegard weigerte sich dagegen und verwischte mit ihrem Äbstissenstab die Grenze des Grabes. Darauf verhängte die Mainzer Kirchenbehörde jeglichen Gottesdienst. Diese Maßnahme muss Hildegard zutiefst verletzt haben. Das Kloster war in seinem Herzstück beraubt. Sogar der Kommunionempfang wurde verboten. Sie kämpfte erneut um die Aufhebung. Nach zwei Jahren erreicht sie ihr Ziel und das Interdikt wurde aufgehoben. Der letzte Rest der Lebenskraft war aufgezehrt. 1179 starb Hildegard von Bingen im Alter von 81 Jahren im Kloster. Ein Heiligsprechungsverfahren im Mittelalter verlief ergebnislos.

Sie geriet fast vollkommen in Vergessenheit. Erst im letzten Jahrhundert, nach der sensationellen Entdeckung ihrer Heilkunde durch den Kardinal Pitra, begann eine wahre Hildegard-Renaissance.

Am 10. Mai 2012 schrieb Papst Benedikt XVI Hildegard von Bingen in das Verzeichnis der Heiligen ein. Ihre Werke befassen sich mit Religion, Medizin, Musik, Ethik und Kosmologie.